E-Commerce Praxis-Tips: Zahlungsarten

In Köln sagen wir bei Geschäften am liebsten “Käsch in de Däsch” (Nur Bares ist Wahres)!
Beim Online-Handel ist das leider etwas schwieriger, denn der virtuelle Händler und seine reale Ware sind weit entfernt.

Das Sprichwort spiegelt wieder, was jedem im Zahlungsverkehr wichtig ist: Ein möglichst geringes Risiko einzugehen. Dieses Risiko gilt es als Händler abzuschätzen. Man sollte dabei nicht die Perspektive des Kunden außer acht lassen und welche Risiken man diesem zumutet.

Im Beratungsalltag ist es immer einer der großen Schwerpunkte bei Sitzungen und wird meist intensiv und kontrovers diskutiert:
Die Wahl des Angebots an Zahlungsarten im eigenen Online-Shop.
Nicht ohne Grund, wie ich finde. Regelmäßig kann man Befragungsergebnisse darüber lesen, daß das vom Händler bereitgestellte Angebot an Zahlungsmöglichkeiten für den Kunden entscheidend ist. Ein breites Maß an Alternativen entscheidet über Abschluß oder Abbruch des Kaufprozeßes.

Viele Anbieter legen sich von vorneherein auf klassische Zahlungsarten fest, welche ein möglichst geringes Risiko für den Händler darstellen. Spitzenreiter bei unseren Kunden ist natürlich die Vorkassenzahlung (gleich zu bewerten wie Giropay), auf gleicher Augenhöhe mit der Bar-Zahlung (”Käsch”) bei Selbstabholung und dicht gefolgt von der Nachnahme-Zahlung.

An diesem Punkt versuche ich, ohne die, gewiss gut durchdachte, Entscheidung meines Kunden in Frage stellen zu wollen, darauf hinzuweisen, daß auch Alternativen bestehen:

Bankeinzug per Lastschrift…
…klingt für einen Händler zunächst sehr unattraktiv. Wie man weiß, können Abbuchungen per Lastschrift durch den Kunden reklamiert werden und dies sogar nach mehreren Wochen. Das Risiko eines hundertprozentigen Zahlungsausfalls ist gegeben und berechtigt.
Versetzt man sich jedoch in die Lage eines Shop-Kunden ist es sehr komfortabel und sicher. Man braucht nur seine Kontoverbindung einzugeben und bekommt die Ware geliefert. Sollte der Händler wider Erwarten seine Leistung nicht erbringen, kann man das Geld wieder zurückbuchen lassen. Keine Überweisungsformulare ausfüllen, keine Online-Banking TANs oder PINs.

Zahlung auf Rechnung…
…ist für viele Händler keine wirkliche Alternative. Die meisten haben keine Lust “ihrem Geld hinterherzurennen” und den buchhalterischen Aufwand zu betreiben. Ein Zahlungsausfall für den Händler ist auch hier möglich und daher die Sorge berechtigt. Auch wenn es, das sei hier kurz erwähnt, sehr gute Anbieter für die Online-Abwicklung von Inkasso-Fällen gibt, wie z.B. Online-Inkasso bei Dr. Krieg & Kollegen.
Aus Kundensicht ist es jedoch eine sehr praktische und sichere Zahlungsart. Man kann ohne eigenes Risiko einkaufen. So kann man Käufe in Online-Shops tätigen, bei welchen man noch keine Erfahrungen gesammelt hat. Ist man mit der Lieferung und der Ware zufrieden und macht nicht von seinem Rückgaberecht gebraucht, dann erst begleicht man die Rechnung.
Diese Zahlungsweise ist außerdem vielen Kunden aus dem Katalogkauf sehr vertraut und daher, gerade für Neueinsteiger im Online-Shopping, ideal.

An dieser Stelle könnten weitere Zahlungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Risikoprofilen für Händler und Endkunde genannt werden: Kreditkarte, PayPal und andere.
Allen gemein sind dabei folgende Optionen, um als Händler sein Risiko zu begrenzen oder dem Kunden die Scheu zu nehmen:

Automatisierte Bonitätsprüfung
Der Händler hat die Möglichkeit eine automatisierte Bonitätsprüfung in sein Shop-System integrieren zu lassen. Durch solche Systeme, wie wir sie z.B. mit unserem Partner EOS Payment anbieten, kann noch im Kaufprozeß eine Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit ermittelt werden. Das System bietet dann vertrauenswürdigen Kunden auch Zahlung per Rechnung oder Lastschrift an. Endkunden mit einer “roten Ampel” müssen leider in Vorleistung treten.
Damit sind für den Händler natürlich Kosten verbunden. Man muss jedoch abschätzen, ob man auf viele potentielle Neukunden verzichten kann und nicht lieber diese Kosten dafür in Kauf nehmen möchte.

Gütesiegel
Wenn der Händler in jedem Fall auf Nummer sicher gehen möchte, sollte er sich über die Integration eines Gütesiegels Gedanken machen. Diese Siegel, wie z.B. von Trusted Shops angeboten, bieten Endkunden Sicherheit bei Zahlungen per Vorkasse.
Dabei spielt zum einen das Siegel eine Rolle, welches zeigt, daß der Shop von Dritten regelmäßig überprüft wird. Zum anderen werden im Zusammenhang mit den Gütesiegeln meist – für den Kunden kostenfreie – Versicherungen angeboten. Diese können im Anschluß an den Kaufprozeß mit wenigen Klicks abgeschlossen werden. Damit braucht man sich beim Kauf keine Sorgen um das Geld zu machen, welches im schlimmsten Fall verloren sein könnte.

Es gibt also Möglichkeiten für beide Seiten – Händler und Endkunde – das Risiko beim Geldverkehr zu minimieren. Diese sollte man als Shop-Betreiber vom ersten Tag an deutlich evaluieren, bevor man eine Entscheidung trifft. Beide Seiten haben zurecht Interesse an einem sorgenfreien Handel.

Oder, und mit dieser “Alternative” möchte ich schließen, man eignet sich einfach die Kölner Gelassenheit an:
Et hätt noch immer jot jejange!


igalvezgil
Autor: Israel Galvez Gil
Allgemein, E-Payment, Tips & Tricks 27 Mai, 2009
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